Das Einheitskonto für jeden EU-Bürger

Eine EU-Kommission hat sich mit den Girokonten beschäftigt und fordert nun ein Basiskonto, auf das es einen gesetzlichen Anspruch für EU-Bürger geben soll. Der Bankenwechsel soll außerdem erleichtert werden. Aber die Experten laufen Sturm gegen die Vorschläge.

Das Basiskonto soll vor allem jenen helfen, die aufgrund geringen Einkommens oder hoher Schulden Probleme haben, ein Konto zu eröffnen. Dieses Konto soll alle wichtigen Funktionen haben wie die EC-Karte oder das Bargeld vom Automaten. Die einzige Ausnahme zum üblichen Girokonto wäre, dass kein Dispo eingeräumt wird. Die Mitgliedsstaaten sollen hingegen in eigener Regie festlegen, wie hoch die Gebühren für diese Sonderkonten ausfallen. Wunsch ist, dass es zwar nicht kostenlos sein soll, aber doch auch nicht große Summen verschlingt, was die diversen finanziellen Probleme noch verschlimmern würde. Nicht jede Bank soll so ein Konto anbieten müssen, aber von staatlicher Seite her soll eine Bank pro Staat dazu verpflichtet werden, dieses Angebot zu machen.

Um für alle Girokonto-Inhaber die Vergleichbarkeit verschiedener Angebote zu gewährleisten, möchte die EU-Kommission mehr Transparenz bei den Bankgebühren durchsetzen. Erst wenn alle Banken auf die gleiche Art und Weise ihre Kosten offenlegen, kann mit einer speziellen Internetseite eine Vergleichbarkeit geschaffen werden.

Und schließlich ist das dritte Anliegen: der Wechsel zum Konto bei einer anderen Bank solle erleichtert werden. Innerhalb eines Landes darf dann der Wechsel nicht mehr länger als 15 Tage dauern und von einem EU-Land zum anderen nur noch 30 Tage. Geplant ist, dass sich der neue Kontoführer um die Belange komplett kümmert, also auch um die Abwicklungsmodalitäten des Alten.

Wie Nachforschungen ergeben haben, sind momentan rund 10 % der EU-Bürger ohne Konto, und können damit nicht am normalen sozialen Gefüge teilnehmen. Denn selbst eine Wohnung zu mieten ist kaum möglich, wenn man kein Konto vorweisen kann. Angeprangert wird, dass die Banken auf vielfältige Art und Weise Antragstellern die Eröffnung eines Kontos verweigern.

Wie jetzt bekannt wurde, war es Deutschland, das bisher einen Anspruch auf ein derartiges Basiskonto blockiert und verhindert habe. Zwar hat man die Banken in Deutschland aufgefordert, solche Konten anzubieten, aber es besteht für die Betroffenen kein Rechtsanspruch. Einzig die Sparkassen sind meist bereit, solche Konten zu eröffnen.

Die Banken wollen nachvollziehbarer Weise keine Transparenz bei den Kontogebühren. Denn das würde manch unangenehme Überraschung ans Tageslicht bringen. Nur die Sparda-Banken sind dafür. Sie können aus der Erfahrung heraus bestätigen, dass viele Kunden für wenig Leistung hohe Zahlungen leisten, weil sie den Aufwand eines Kontowechsels scheuen.

Dass die Vorschläge Gesetze werden, kann frühestens 2014 erreicht werden. Denn das Europaparlament und der Ministerrat müssten noch zustimmen.

Bildquelle:
© Rainer Sturm / PIXELIO

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