Der ewige Kampf um die Dispozinsen

Die Zinsen, die eine Bank für den eingeräumten Dispositionskredit verlangt, sind ebenso hoch wie Teil jahrelanger Debatten. Denn während sich alle Zinsen verändern, bleiben diese seit Jahren ungebrochen hoch. Und, so scheint es dem Betrachter zumindest, sind diese Zinseinnahmen die einzig rettende Geldquelle der Banken, die auch in schlechten Zeiten sprudelt.

Seit Jahren versucht nun schon die Politik hier einzugreifen, und eine Deckelung dieser Zinsen zu veranlassen. Bislang im Prinzip ohne Erfolg. Denn die Teillösungen, die es bisher gab, waren eher mager. Nun hat die EZB den Leitzinssatz wiederum gesenkt und die Dispozinsen hätten sogleich sinken müssen, zumal die Banken bei der Umsetzung der Leitzinssenkung bei Tages- und Festgeldkonten schnell bei der Sache waren. Doch was ist nun draus geworden?

Bei fast 17 % liegen bei den „Spitzenreitern“ die Dispozinsen. Dass das schon an Unverschämtheit grenzt, ist klar. Aber was kann man von außen dagegen tun? Im Schnitt, so haben Experten ermittelt, liegen derzeit die Zinsen fürs Dispo bei 10,5 %, und das bei einem Leitzins von einem halben Prozent. Spareinlagen werden derzeit mit ungefähr 0,28 % vergütet und Tagesgeld mit 0,86 %.

Trauriges Beispiel Postbank: hier kostet der Dispo zwischen 9,65 und 12,3 % und bei der geduldeten Überziehung über den Dispo hinaus sind es zwischen 14,25 und 16,9 %.

Besonders Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner hat schon mehrfach einen Vorstoß unternommen. Manche Politiker fordern eine gesetzliche Deckelung, aber Aigner setzt auf mehr Transparenz. Im Internet sollen die Preise offengelegt werden – doch was bringt das?

Die Kreditwirtschaft ist natürlich gegen ein gesetzliches Eingreifen – ginge den Banken doch eine einfache und lukrative Einnahmequelle verloren, für die kein Aufwand betrieben werden muss. Außerdem, so wird argumentiert, können sich alle Kunden informieren, wie hoch der Dispo liegt, es sei kein Geheimnis. Wollen die Banken dafür etwa noch gelobt werden? Ist es nicht eine Selbstverständlichkeit, dass man als Kunde weiß, wofür man wie viel bezahlen muss?

Steinbrück hatte gefordert, dass der Dispo maximal 7 % über dem Leitzins liegen dürfte. Das wären aktuell also 7,5 %. Doch in dieser Sparte gibt es nur wenige Banken: so zum Beispiel die PSD-Bank Brandenburg-Berlin und die Skatbank, die sogar noch darunter liegen, sowie die DAB, mit ebendiesen 7,5 %. Die Deutsche Bank will zum 15.5. von 12,5 auf 12,25 % senken. Ein schwacher Trost für die, die den Dispo –aus welchen Gründen auch immer- öfter brauchen.

Nach Expertenerhebungen sind rund 20 % der Bankkunden im Dispo. Seit 2010 müssen sich die Banken mit dem Dispo an einem Referenzkurs orientieren. Der kann aber frei gewählt werden. So zum Beispiel Euribor oder auch Leitzins der EZB. Kritiker geben zu bedenken, dass eine Deckelung dazu führen könne, dass die Banken den Kunden einfach die Dispos streichen, weil das Geschäft nicht mehr lukrativ ist.

Wer sich lange im Dispo befindet, sollte über einen Ratenkredit nachdenken, denn dieser ist erheblich billiger. Insgesamt bleibt den Kunden nur, den Banken die rote Karte zu zeigen, in dem sie den Dispo so wenig wie möglich nutzen.

Bildquelle:
© Thorben Wengert / PIXELIO

Keine Kommentare mehr möglich.