Kündigungsgründe sind oft an den Haaren herbeigezogen

Warum wurde mir gekündigt? Was habe ich falsch gemacht? Mit solchen Fragen quälen sich immer wieder Menschen jeden Alters. Doch sie sollen wissen, dass es oft gar nicht an ihnen als Person liegt. Sie waren einfach zur falschen Zeit in der falschen Firma, oder sind einfach als letzte eingestellt worden. Doch nicht selten führen solche persönlichen Angriffe zu psychischen Erkrankungen, die dann wiederum dazu führen, keine Arbeit wieder zu finden. Ein Teufelskreis, der vor allem von jungen Chefs ignoriert oder belächelt wird.  Doch immer öfter hört man auch von Kündigungsgründen, für die man sich einfach nur fremdschämen möchte.

In den USA verlor jüngst eine Frau ihren Job, weil sie ihr Chef zu attraktiv fand. Leider waren auch die männlich besetzten Gerichte in zwei Instanzen der Meinung, dass er zu recht gekündigt hat, denn die Bedrohung seiner Ehe sei der Mittelpunkt des Geschehens, und nicht die Angestellte und ihre gute Arbeit sowie die sexuelle Diskriminierung, die sie ins Feld geführt hatte.

Bundesweit in den Medien war 2008 der Fall „Emmely“. Die Kassiererin war wegen der Unterschlagung von Leergutbons im Wert von 1,30 Euro fristlos nach 31 Jahren gekündigt worden. Die Richter des Bundesarbeitsgerichtes in Erfurt hoben diese Kündigung allerdings auf. Die Betroffene war sich sicher, dass die Kündigung eine lange gesuchte Bestrafung für ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten war.

In einem Altenheim packte die Pflegerin von den Resten der Bewohnerverpflegung sechs Maultaschen ein, die auf einen Gesamtwert von 3-4 Euro geschätzt werden. Doch das Gericht half dem Arbeitgeber über: selbst wenn er die Essensreste entsorge, könne er allein darüber entscheiden, was damit geschehe. Eine Revision beim Landesarbeitsgericht Freiburg sah das allerdings anders. Hier wurde die fristlose Kündigung für übertrieben erklärt. Da man auf eine Weiterbeschäftigung von beiden Seiten aus verzichtete, kam es zum finanziellen Vergleich.

Oft sind es Bagatellen, die zu Kündigungen führen. Die Gerichte sind damit gut beschäftigt. Der vernünftige Menschenverstand bleibt hier wohl auf Seiten der Arbeitgeber oft außen vor. Der Verdacht liegt nahe, dass solche Nichtigkeiten benutzt werden, um unbequeme Mitarbeiter los zu werden. Erstaunlich: Chefs haben Zeit, ihren Angestellten nachzuspionieren, sonst würden derartige Bagatellen gar nicht aufgedeckt: Kapitalismus in höchster Form.

Auch das ach so christlich und nächstenlieb eingestellte evangelische Johannisstift in Hannover entließ eine behinderte Mitarbeiterin, die ein Stück Teewurst gegessen hatte. Bis kurz zuvor war das Seniorenzentrum von der Caritas betreut worden. Diese distanzierten sich umgehend von diesem Verhalten des neuen Arbeitgebers. Die Kündigung wurde schließlich zurückgenommen.

Ähnlicher Fall: eine seit 35 Jahren im Betrieb beschäftigte Chefsekretärin aß im Büro eine Frikadelle von einem vorbereiteten Buffet – und wurde entlassen. Der Termin vor dem Arbeitsgericht Dortmund folgt.

Ebenfalls nahe am sogenannten „Mundraub“: ein Bäcker kaufte(!) sich ein Brötchen im Firmenshop, und beschmierte dieses jedoch mit einem Produkt des Arbeitgebers. Der Wert des „gestohlenen“ Firmeneigentums dürfte sich weit unter einem Euro bewegen. Doch der Vorfall kam dem Arbeitgeber recht, das Betriebsratsmitglied fristlos zu entlassen. Sowohl das Arbeitsgericht Dortmund als auch das Landgericht Hamm waren der Auffassung, dass diese Kündigung zurückzunehmen sei.

Auch vom Gericht abgelehnt wurde eine Kündigung, die einen Angestellten einer Altpapiersortierung traf. Dieser hatte aus dem Müll des Zuführbandes der Presse ein Kinderreisebett entnommen.

Erschreckend sind dabei vor allem die Fälle, in denen es den Arbeitgebern lieber ist, etwas zu zerstören oder zu entsorgen, als dass es durch offenbar bedürftige Mitarbeiter noch genutzt wird. Dies ist wohl ein Problem der Überflussgesellschaft, die jedoch nicht jeden betrifft.

Noch rechtzeitig zurückgenommen hat ein Arbeitgeber eine Kündigung wegen Stromdiebstahls. Der Angestellte hatte in der Firma sein Handy aufgeladen, obwohl dies ausdrücklich untersagt war.

 

 

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