Lebensversicherungen im Aufwind?

In den letzten Monaten wurde von der Lebensversicherung als Geldanlage abgeraten. Zu gering die Renditen; zu unflexibel. Doch momentan führenBewertungsreserven zu höheren Renditen, wenn das auch nicht dafür sorgen kann, dass sich die Lebensversicherung als Anlage lohnt.

Bisher gab es bei einer Kapitallebensversicherung eine Zinsgarantie für die gesamte Laufzeit. Seit der Finanzkrise haben die Gesellschaften nach einer Möglichkeit gesucht, dies zu umgehen, und haben sie in den neuen Vertragsvarianten gefunden: diese besagen, dass der Zins nicht mehr für die gesamte Zeit garantiert wird. Aber das gilt nur für jetzt neue Verträge. Doch wer einen Vertrag hat, der noch 2013 fällig wird, könnte Glück haben. Denn bei den Auszahlungen in diesem Jahr gibt es leicht höhere Renditen als bei den Ablaufleistungen im Vorjahr. Bei einer Police, die über 30 Jahre gelaufen ist, liegt die Rendite nun bei rund 5,05 %.

Wer in den 30 Jahren je 100 Euro einzahlte, erhält bei einem Ablauf in diesem Jahr rund 600 Euro mehr als jemand, dessen 30 Jahre im Vorjahr ausliefen. Und der Unterschied ist bei kürzeren Policen noch größer. Heiß umstritten in der letzten Zeit: die Bewertungsreserven der Versicherungen. Diese sind festverzinsliche Papiere, deren Marktwert gegenläufig zum Marktzins steigt oder fällt. Diese Arbeitsweise sollte reformiert werden, was aber am Vermittlungsausschuss des Bundesrates scheiterte.

Dennoch bleibt es dabei: langfristige Kapitalbindungen für eine Lebensversicherung sind eher nicht zu empfehlen. Die Absicherung der Familie muss aber sein – das sollte mit einer Risikolebensversicherung sein. Denn die Rendite für die Kapitallebensversicherung ist nur noch rund halb so hoch wie noch vor 10 Jahren und insgesamt eher inakzeptabel.

Und wer sich mit einer Kapitallebensversicherung besser fühlt, sollte bedenken, dass bei der Ablaufleistung der Fiskus auch mit erbt. Bekommt man eine Lebensversicherungsleistung ausgezahlt, weil der Versicherte gestorben ist, zahlt man darauf Erbschaftssteuer, je nachdem, in welchem Verhältnis man zum Verstorbenen stand, unterschiedlich viel. Da der Freibetrag auf das gesamte Erbe berechnet wird, kommt häufig ein größerer Betrag zusammen, als vermutet. Ist ein Haus da, was vererbt wird, dazu die Lebensversicherung, ist der Freibetrag schnell aufgebraucht.

Doch es gibt einen Weg, dies zu vermeiden. Der Trick sind die sogenannten gekreuzten Lebensversicherungen. Dabei kann beispielsweise ein Ehepaar beide Personen versichern, aber nicht jeder sein eigenes Leben, sondern das des Partners. So wird bei Tod die Versicherungssumme desjenigen automatisch an den Überlebenden ausgezahlt, und fällt nicht in die Erbmasse, da das Geld nicht dem Verstorbenen zusteht, sondern ganz regulär dem im Vertrag festgelegten Versicherungsnehmer.

Zudem hat es weitere Vorteile, wenn die Lebensversicherung nicht ins Erbe fällt: es werden auch keine Pflichtteilsansprüche darauf erhoben. Das heißt, dass Geld steht zu einhundert Prozent demjenigen zu, der es bekommen sollte. Allerdings gibt es ja auch noch den anderen Vertrag, der auf das Leben des jetzt Erbberechtigten vom Verstorbenen abgeschlossen wurde.

Hier setzt der Fiskus bei der Berechnung der Erbschaftssteuer den Rückkaufswert an. Hat man eine Risikoversicherung abgeschlossen, ist dieser gleich Null.