Schwere Zeiten für Buchhändler und Co

Das Internet bringt viele Chancen und Möglichkeiten. Aber es gräbt auch manchem alten Berufsstand das Wasser ab. So auch den Buchhändlern.
Aktuelles Beispiel ist die britische Kette HMV, die in die Insolvenz ging, nachdem sie über Jahre die Adresse war Käufer von CDs und DVDs. Und das hat keinesfalls etwas mit Großbritannien zu tun, sondern ist eine weltweite Entwicklung.

Der aktuelle Trend ist überall gleich: Kaum mehr jemand hat Zeit für einen entspannten Stadtbummel, und niemand ist bereit, auf die CD, die er haben möchte, bis nächste Woche zu warten, wenn er wieder in der Stadt unterwegs ist. Alles muss gleich und sofort sein und dafür ist das Internet ideal. Mitternacht kann man sich CDs oder Bücher bestellt, und spätestens am übernächsten Tag hat man sie im Briefkasten. Kaufen ohne das Haus zu verlassen – das ist gewollt. Denn so animiert man zum Kauf – Bequemlichkeit ist oberstes Gebot.

Aber auf der anderen Seite sterben die gemütlichen kleinen Buchläden, die zum Stöbern eingeladen haben, manche mit einem kleinen Cafe oder einer Leseecke. Wo sind die Gespräche mit einem wirklichen Buchhändler und nicht nur einem Angestellten, der eigentlich BWL studiert oder Sport?

Die Buchhandlungen in Deutschland, die nicht zu großen Ketten gehören, sondern noch wirkliche Läden im besten Sinne sind, bieten ebenfalls Komfort. Möchte man ein Buch, das nicht vorrätig ist, kann man das bestellen und oft schon nach ein oder zwei Tagen abholen. Aber auch das macht Mühe und ist es den meisten nicht wert.

Sie sterben langsam aus, und das ist schade. Denn die Verkaufskultur die es hier gab, wird fehlen. Schon jetzt helfen sich die Buchhändler mit anderen Geschäftsideen aus der Misere, und verkaufen Geschenke oder anderes, um ihre Miete bezahlen zu können.

Und eigentlich sind es sogar zwei Trends, die es den Länden schwer machen. Der eine ist dasonlinebestellen im Internet und das andere ist die Möglichkeit, sich Musik oder sogar Bücher einfach downzuloaden und gar nicht mehr herkömmlich zu kaufen.

Große Buchhandlungen wie Hugendubel hatten in den Jahren vor dem Internet ihre beste Zeit. Die Leute standen Schlange und Termine wie Weihnachten waren ein Fest für die Buchhändlerin, die rund 50 Buchläden in ganz Deutschland ihr eigen nennt. Die Geschäfte sind meist groß, mitunter mehrere tausend Quadratmeter. Geschlossen wurden oder werden in diesem Jahr die Filialen am Berliner Kudamm, in Kassel und in München. Was die Verkaufskultur hier verliert, wird sich erst in einigen Jahren zeigen, aber dann ist es für eine Umkehr zu spät.

Als Hugendubel die erste Filiale vor 120 Jahren gründete, war es wohl eher das Geld, dass den meisten für Bücher fehlte. An Internet war noch nicht zu denken. Aber egal, wie schlecht die Zeiten auch waren, gelesen wurde immer. Auch heute wird gelesen, aber was den Kunden fehlt, ist Zeit. Die sparen sie beim Einkauf der Bücher – und setzen sich vor den Computer. Online Ketten wie Amazon jubeln. Und die ältere Generation, die keinen Computer zu Hause hat und noch in den Laden geht, die ist in 5, spätestens 10 Jahren verschwunden. Dann wird es noch ärger werden.

Einzig die Buchpreisbindung hält manchen Laden noch am Leben. Aber würde diese fallen, wäre es auch mit den letzten kleinen Bücherstuben vorbei. Die großen Läden wie Hugendubel und Co müssen Tausende an Mieten lockermachen, da ist der Monat schnell um. Und das ging nur mit Masse, die jetzt fehlt. Die meisten Einnahmen kommen von einem vergleichsweise kleinen Teil der Bücher. Experten sind der Meinung, dass die Verlage weniger als die momentanen 100.000 Titel pro Jahr verlegen sollten. Qualität statt Quantität. Aber das wird wohl auch nichts mehr nützen.

Keine Kommentare mehr möglich.