Wie zuverlässig sind die Ergebnisse der Zeitschrift „Finanztest“?

inanztest ist sozusagen eine Spezialeinheit der „Stiftung Warentest“. Viele Verbraucher verlassen sich gern auf das, was dort vermittelt wird. Denn man geht davon aus, dass es sich um unabhängige Tester handelt, die keinen Grund haben, die nicht so glänzende Wahrheit zu beschönigen.

Ist alles richtig, was in solchen Zeitschriften steht?

Doch immer mehr Fachleute behaupten, dass die Recherchen in „Finanztest“ unsauber sind, dass man zu unkorrekten Ergebnissen kommt und überhaupt die Berichte alles andere als empfehlenswert sind.

Bislang waren es nur Einzelne, die versuchten, sich gegen „Finanztest“ zur Wehr zu setzen. So zum Beispiel Versicherungsmakler Matthias Helberg. Nun hat er sich über die sozialen Netzwerke Verbündete gesucht und auch gefunden.

Es gibt noch mehr Fachleute, die sich über die Rankings in der Zeitschrift wundern. Helberg selber nennt beispielsweise den aktuellen Test der Berufsunfähigkeitsversicherungen „unvollständig, lückenhaft, gar dilettantisch“. Dass eine solche Versicherung wichtig ist, darüber besteht Einigkeit. Aber für viele ist sie einfach zu teuer. Um den wertvollen Schutz dennoch bezahlbar zu bekommen, nennen die Tester den frühen Einstieg, die Vermeidung von Berufswechseln und die jährliche Zahlung. Auch kann die Alternative helfen: eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung. Doch ist das alles wirklich beeinflussbar? Ist jemand heute 50, dann kann er den frühen Einstieg nicht mehr nachholen, ob er den Beruf wechselt, können sich die meisten nicht aussuchen und diverse Vorerkrankungen, die fast jeder in diesem Alter hat, schlagen extra noch zu Buche. Will man dann eine bezahlbare Police, so muss man einige Lücken im Schutz in Kauf nehmen, von denen jeder seriöse Versicherungsberater Abstand empfehlen würde.

Der Versicherungsmakler Helberg hat den Bericht vorab gelesen und ein vernichtendes Urteil gesprochen. Denn, so sagt er, wichtige Punkte wurden beim Test nicht berücksichtigt. 9,5 Klauseln habe man in den Test einbezogen. Viel zu wenig, lautet die Kritik. Mindestens 12 Kriterien zählt der Fachmann auf, die nicht einflossen, die aber extrem wichtig seien. Auch, dass so viele am Test teilnehmende Gesellschaften ein Urteil „sehr gut“ verdient hätten, zweifelt er an.

Helberg bemängelt, dass die Tester, die für die Zeitschrift schreiben, nicht für ihren Inhalt haftbar gemacht werden könnten, und dass man dies auch merke. Von „gekauften Qualitätsurteilen“ ist die Rede, von fehlenden Musterrechnungen, die den Verbrauchern vorenthalte würden.

Viele Kollegen von Helberg sind begeistert, dass sich endlich mal einer wehrt und Tacheles redet. Viele vermissen bei den Tests jene Professionalität, die es eigentlich in der Branche mit ihrem Tarifdschungel unbedingt geben sollte. Der Grundgedanke, den Verbrauchern Entscheidungshilfen kompakt darzustellen, ist gut. Aber leider wird der Test wohl nicht wirklich von Spezialisten durchgeführt.

Das soziale Netzwerk „Facebook“ hat nun ein Forum, dem sich mehrere Finanzexperten angeschlossen haben, die über den Artikel diskutieren. „Friends of Finanztest Baldrian Rabatt“ heißen die Freunde der harten Argumente. Und dort regen sich nicht nur Versicherungsmakler auf. Auch andere Experten, wie der anerkannte Hannoveraner Analyst Bornberg unterstützen die Meinung. Auch er kommt zu dem Ergebnis, dass die fachliche Sorgfalt und die notwendige Tiefe im Bericht fehlen. Die Experten sind sich einig, dass die Politik handeln muss um zu verhindern, dass in finanziellen Angelegenheiten jeder verbreiten darf, was er denkt, ohne dass er dafür zur Rechenschaft gezogen werden kann.

„Finanztest“ wehrt sich und holt zum Gegenangriff aus. Man unterstellt den Maklern, dass es diese nicht gut fänden, wenn viele Tarife ein „sehr gut“ bekommen, weil ihre Beratung dann weniger in Anspruch genommen würde. Ist das nicht ein wenig sehr ums Eck gedacht?

Eine unabhängige Finanzberaterin verteidigt „Finanztest“ zumindest teilweise und fordert, dass bei einem solchen Test immer dabeistehen müsste, dass er niemals eine persönliche Beratung ersetzt, sondern nur Anhaltspunkte liefert, um sich mit dem Thema zu beschäftigen und dass darauf hingewiesen werden sollte, welche der getesteten Tarife gängiger Durchschnitt sind.

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